Der grösste Feind einer Mutter nennt sich Mutter!

KaffeeklatschKlingt dramatisch, aber leider musste ich feststellen, dass es vollkommen zutrifft.

Ich bin Mama von einem elf Monate alten Sohn.

Wie gerne würde ich mich mit anderen Muttis treffen, unsere Kinder zusammen spielen lassen und über wichtige Themen wie z.B. Erziehung, Gesunde Ernährung, richtiges Babyspielzeug und natürlich die Lästereien über den Ehemann (wichtiger Teil einer guten Konversation zwischen Frauen) zu diskutieren und beratschlagen.

Doch Pustekuchen!

In meiner Phantasie habe ich mir immer folgende Situationen vorgestellt:

Ich, verheiratet, Kind, eine oder mehrere Gleichgesinnte mit Kind, Kaffee, Kuchen und eine Menge zu bequatschen.

Doch schon in meiner Schwangerschaft wurde ich eines besseren belehrt und die romantische Illusion von den kartenspielenden Freundinnen von Desperate Housewifes gnadenlos zerstört.

Meine Vorstellungen waren out! Heutzutage verbünden sich Mütter oder auch angehende Mütter nicht mehr. Nein, die meisten haben es sich zu Ihrer Aufgabe gemacht angebliche Fehler im Gegenüber zu suchen und systematisch durch aufdrängen Ihrer Ansichten wieder zu „richten“. Wohl auch sehr beliebt ist es jeder Mutter oder werdenden Mutter das Gefühl zu geben, dass sie komplett alles falsch macht und es ein großes Wunder ist, wenn das eigene Kind diese Fehler unbeschadet überstehen wird.

Als ich am Anfang meiner Schwangerschaft glücklich und aufgedreht mich mit einer „Freundin“ getroffen habe, durfte ich zugleich in den Genuss kommen, von Anfang an zu erleben was es bedeutet Mutter zu werden und mit welchen Ohrfeigen ich von meinesgleichen zu rechnen habe.

Es begann sehr harmlos, eine Tasse Tee, nette Hintergrundmusik und die neuesten Ultraschallbilder, die ich in der 9. Schwangerschaftswoche vom Gynäkologen mitbekommen habe.

Ich war so glücklich, mein erstes Kind, die ersten Bilder von ihm und das Wissen, die spannendste Zeit meines Lebens startet.

Noch nie war ich glücklicher und aufgeregter…

Ich erzählte ihr von den ersten Terminen beim Arzt und das ich jetzt schon der Meinung bin, dass dieser kleine Kerl ein Junge wird, auch wenn es viel zu früh ist etwas zu sehen. Ich fühlte es! Das alleine zählte für mich. Im Nachhinein hatte ich sogar Recht und behaupte immer noch, dass meine innere Stimme mich nie täuscht. Bei einer 50/50 Situation hatte sie es natürlich nicht so schwer, aber ich poche natürlich trotzdem darauf, dass wir Frauen Fähigkeiten haben, die weit über die normale Vorstellungskraft hinaus gehen…Zieht zu mindestens beim Ehemann, um ihm etwas Angst zu machen 😉 .

Ich konnte allerdings nicht weiter erzählen, wollte ihr eigentlich noch berichten für welchen Namen wir uns entscheiden würden, wenn es ein Junge wird. Plötzlich schaute sie mich ernst an und fragte mich, ob ich schon wüsste wie ich Entbinden möchte, immerhin sei ich doch so schmerzempfindlich und ob ich mich schon über alle Krankheiten und Komplikationen informiert hätte.

Damit habe ich wirklich nicht gerechnet.

Ich konnte sofort diese raue Stimmung spüren und wusste gar nicht was ich sagen sollte. Ich war nicht auf ein solches Gespräch vorbereitet und ich wollte es auch gar nicht. Ich wollte über meine Phantasien sprechen, für welchen Sport ich ihn anmelden würde und ob er mehr nach mir oder seinem Vater kommen wird. Ich wollte ihr erzählen wie glücklich ich bin und dass es das aufregendste und spannendste ist was ich je erlebt habe. Geburt war für mich etwas, womit ich mich erstmal nicht befassen wollte. Risiken und Krankheiten aber erst recht nicht. Ich war so damit beschäftigt gewesen, mich an meiner Schwangerschaft zu erfreuen und alles erstmal rosarot zu sehen, dass ich nie über solche Dinge wirklich nachgedacht hatte oder mich informiert habe.

In meinen Augen war mein Verhalten total normal und ich konnte gar nicht verstehen, wieso mich meine Freundin jetzt so abschätzig anschaute und mich auf diese Dinge hinwies.

Ich war noch mitten drin meine Gedanken zu sortieren und mich auf die neue Wendung des Gesprächs einzustellen, da ging es schon los.

Mir wurden alle möglichen Komplikationen und Krankheiten von A-Z aufgezählt und wie gefährlich es doch sei, wenn man so naiv an dieses ganze Schwangerschaftsthema rangeht.

Nach gefühlten 100 Horrorgeschichten von schwangeren Bekannten einer Bekannten, deren Freundes Freundin konnte ich noch mit letztem Elan eine Ausrede erfinden und mich verabschieden. Mir ging es tagelang mental schlecht, ich bekam Zweifel, ob ich das alles schaffen werde und jedes zwicken oder ziepen löste in mir Panik aus, eine dieser Komplikationen erwischt zu haben.

Nach einem langen Gespräch mit meinem Frauenarzt und etlichen Untersuchungen die mir bewiesen, dass alles ganz normal verläuft, verabschiedete er mich mit folgenden Worten:

„Das ist erst der Anfang, sobald eine Frau schwanger ist oder Ihr Kind geboren wird, löst es den Drang in anderen Frauen aus ihr ungefragt ihre Meinung, Ratschläge und ihre Überzeugungen aufzuzwingen und Ihnen ein schlechtes Gewissen zu machen. Hören Sie bitte einfach nicht hin.“

Der gute Mann hatte Recht.

Ob es Kommentare von anderen Schwangeren bei der Schwangerschafts-Aqua-Aerobic war, dass man doch als Schwangere nicht so einen auffälligen Lipgloss benutzen sollte oder Kommentare über die so ungesunde Pizza, die man sich im Heisshungerwahn voller Schmacht beim samstagabendlichen Dinner mit Freunden anhören musste.

Nachdem mein Sohn geboren wurde ging es direkt weiter.

Ich nenne es gerne den Kampf der Mütter.

Alles wird madig gemacht, was nicht Ihrem Stil entspricht. Über Kinderwagenmodelle gestritten und ich will gar nicht von dem Thema Stillen anfangen. Denn da scheinen ja sämtliche Gemüter heiß zu laufen.

Nach mehreren Treffen mit anderen Müttern habe ich es dann aufgegeben in irgendwelche Mutter-Kind-Kurse zu gehen. Allgemein habe ich wieder angefangen mich viel lieber mit meinen kinderlosen Freunden zu treffen. Die fanden mich nämlich toll. Waren stolz, dass ich so ein Wunder vollbracht habe und einen Menschen auf die Welt gesetzt habe. Ich bekam plötzlich wieder von allen Seiten Zuspruch und Komplimente wie toll ich das alle manage und sie gar nicht wüssten, wie sie Kind, Ehe, Job und Haushalt unter einen Hut bekommen würden.

Endlich war es wieder da, diese unbeschreibliche Freude auf die Zukunft, das Unbekannte. Keine Selbstzweifel und Ängste mehr. Voller Stolz konnte ich von meinen Taten als Mutter berichten und etwas angeben, wenn ich es geschafft habe gleichzeitig mit der einen Hand die Flasche für mein Baby zu halten und mit der anderen Hand vollgemachte Windeln zu wechseln.

Aber wieso ?

Wieso entfernt man sich von den sogenannten „Seinesgleichen“?

Müsste es nicht umgekehrt sein?

Immerhin ist man doch lebenslanges Mitglied im Mamaclub. Die anderen haben ja noch nicht mal die Aufnahmeprüfung „geschafft“.

Wir haben doch alle irgendwie die gleichen Sorgen, Ängste, Verpflichtungen und Freuden.

Ich dachte genau das würde uns zusammen schweißen. Stattdessen wird keine Zeit vergeudet einer anderen Mutter doch möglichst eindringlich klar zu machen, dass sie komplett versagt.

Lange habe ich mich mit dieser Thematik beschäftigt. Habe mir übelste Wortgefechte auf diversen Plattformen angeschaut.

Soziale Medien fördern die „Do it my way or no way“ Mentalität enorm. Jeder kann mehr oder weniger anonym seinen Senf dazu geben. Öffentlich werden richtige Schlachten geführt zwischen Stillmamis und Flaschenmamis oder zwischen Stoffwindelmamis und den Pampersanhängerinnen.

Es wird so schnell aggressiv um sich geschlagen, dass ich mich wirklich Frage was der Auslöser dafür ist.

Ist es der Druck dem die heutige moderne Frau standhalten muss?

Wunderschön und immer gut gelaunt in der Schwangerschaft, Modelfigur vier Wochen nach der Entbindung, begehrenswerte Ehefrau, wundervolle Mutter und erfolgreiche Businessfrau zugleich.

All diese Dinge, die wir von den Medien und den Stars so perfekt vorgelebt bekommen, üben doch mehr Druck auf jede einzelne Frau aus als man vielleicht zugeben mag.

Eventuell ist genau das der Grund wieso man sich Luft verschaffen muss und auf den anderen so losgeht.

Fehler bei anderen finden, um selbst besser auszusehen.

Unsicherheiten durch Angriff Wett machen…

Aber ist das der Weg?

Ich halte mich mittlerweile von den meisten fern. Doch was ist mit meiner Phantasie?

Den tollen Kaffee-Nachmittagen, den Tratschereien, den Gesprächen unter Mütter und den spielenden Kindern….

Irgendwann wird eventuell das ganze kippen und man geht wieder normal miteinander um…

Ich hoffe es wirklich!

Auch wenn wir nicht alle das gleiche mitmachen, gleiche Ansichten haben und Überzeugungen bin ich doch ganz fest einer Meinung:

WIR WOLLEN DOCH ALLE NUR GUTE MÜTTER SEIN !

Eure Nic ❤

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6 Gedanken zu “Der grösste Feind einer Mutter nennt sich Mutter!

  1. schimpfmalmama schreibt:

    Ich versteh zu 100% von was du hier schreibst! Dieser Mütter-Kampf ist wirklich so sinnlos, aber leider findet er tagtäglich überall statt. Man wird gemustert, es wird hinter der Hand getuschelt und immer nur die eigene Meinung vertreten! Was musste ich mich anfangs rechtfertigen, warum ich den Bruder nicht stillen kann. Bevor ich irgendwelche bösen Blicke bekomme, habe ich immer direkt erklärt warum ich nicht stille. Das hat vielen den Wind aus den Segeln genommen!!!
    Aber dieser schreckliche Machtkampf ist wirklich so unnötig. Wenn wir alle einfach zusammenhalten und uns gegenseitig unterstützen würden, wäre das Mamaleben viel einfacher ☺️! Ich habe zum Glück bei dem ersten Kind ein paar ganz tolle Mamas kennengelernt, die anders waren und nicht kritisierten, sondern sich halfen. Mit diesen Mamas hatte ich wirklich die schöne Traumvorstellung von Frühstück, Kaffee und Kuchen 😊! Warte ab, du wirst auch noch die richtige Mama-Freundin treffen und dann wird vieles leichter!!!

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  2. motessa schreibt:

    ich finde bei den meisten reguliert es sich wenn die Kinder in die erste Trotzphase kommen und man ganz schnell merkt dass die eigenen Pläne nicht mehr funktionieren. Und die Mehrfachmütter sind erst recht entspannt. Denn wenn das eigene achsoliebe Kind andere gebissen, im Tram peinliche Fragen stellt und das häusliche Chaos sich von Tag zu Tag trotz gegenteiliger Bemühungen nur vergrössert wird man grossherziger. Leider sind das aber auch die Mütter, die alles nicht so schlimm sehen und lächelnd zuhören, wenn man von den durchwachten Nächten und den fast durchgebissenen Brustwarzen spricht…

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  3. glamfamwoman schreibt:

    Im Endeffekt sind wir alle im gleichen Boot, und wenn ich eines seit der Geburt von meinem Kind bemerkt habe, dass am besten immer noch das Bauchgefühl weiterhilft . In allen Lagen. Wir alle haben mal einen schlechten Tag oder wissen mal nicht weiter, haben Überzeugungen und unsere ganz persönlichen Tricks. Positiver Austausch , anstatt sich die Augen auszupicken würde uns allen das Leben erleichtern 😉

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  4. maramarin21 schreibt:

    Das von Dir beschriebene Phänomen konnte ich auch beobachten. Habe mich mal mit meinem Kind zusammen zu einer Mutter und ihrem Kind auf die Wippe gesetzt. Ihre erste Frage war: „Ist Dein Kind nicht zu kalt angezogen?“. Da war ich gleich bedient. Generell finde ich: Die Kommunikation unter Müttern ist häufig sehr oberflächlich. Alle kommen ja so gut klar: Kind, Haushalt, Job … alles easy ;-). Und mit so viel Unehrlichkeit komme ich nicht klar. Ich suche auch noch die Mutter, die mich so sein lässt, wie ich bin, nicht zu viel von mir verlangt und einfach authentisch ist. Irgendwann wird sie mir über den Weg laufen :-). Und Dir auch.

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  5. glamfamwoman schreibt:

    Es IST nicht einfach Frau , Mutter , Ehefrau , berufstätig etc zu sein. So viele Hürden und wir setzen uns gegenseitig unter Druck , wenn wir so tun als wäre alles so easy. Jede bin uns kennt den Moment , wenn man heimlich im Badezimmer mal zwei Minuten weint , weil alles zu viel wird oder wir unseren eigenen Anforderungen nicht gerecht werden. Deswegen auch Glamfamwoman . Wir wollen eine Gemeinschaft Bilden und Tipps und Tricks weiter geben und über Themen diskutieren , die uns allen am Herzen liegen, hier geht es rund um die Frau und alles was uns guttut und im Alltag hilft .

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