Den Begriff „Alleinerziehend“ falsch verstehen ….

Blumen lilaGestern bekam ich eine merkwürdige Unterhaltung zweier Mütter am Rand des Babybeckens im Schwimmbad mit.

Mich hat das Gespräch so beschäftigt, dass ich unbedingt darüber schreiben musste.

Lauschen gehört sich ja eigentlich nicht, aber die Lautstärke und der Inhalt der Unterhaltung ließen mich nicht wiederstehen…

Die eine Dame beschwerte sich lautstark darüber, dass Sie es wohl leid ist immer alles alleine mit den Kindern zu unternehmen, da ihr Mann die Zeit wohl lieber im Büro verbringt.

Zustimmend nickte Ihre Gesprächspartnerin die ganze Zeit und zu guter Letzt kam der Satz, der mich zum Nachdenken brachte:

„Ach meine Liebe, ich weiß wie Du Dich fühlst. Bei uns zu Hause läuft es ähnlich. Bis auf Sonntag bin ich eine Alleinerziehende!“

Da war es! Das Wort „Alleinerziehende“ in Verbindung mit in einer Partnerschaft lebenden Mutter.

Kann man es denn überhaupt so nennen?

Auch wenn der Mann die meiste Zeit auf der Arbeit ist, aber ist es denn nicht etwas anderes, wenn niemand nach Feierabend nach Hause kommt?

Ich habe sofort über mein Leben nachgedacht und geistig versucht zu vergleichen.

Mein Mann arbeitet auch sehr viel. Durch seine Führungsposition bleiben Überstunden leider nicht aus und auch schon die freien Tage gingen wegen dem Job drauf.

Bin ich jetzt auch eine Teilzeit-Alleinerziehende?

Irgendetwas sagte mir, dass es Falsch ist.

Ich habe sofort als ich zu Hause war meine Freundin Emma angerufen.

Emma ist Mitte dreißig, hat zwei Kinder und ist seit zwei Jahren von Ihrem Exmann getrennt lebend und seit einem Jahr geschieden. Beide Kinder leben bei Ihr und sind alle zwei Wochen bei Ihrem Vater.

Ich erzählte Emma die Geschichte und plötzlich fing sie lautstark an zu lachen.

„Glaubst Du wirklich, man kann das mit dem Leben einer Alleinerziehenden vergleichen? Ein viel arbeitender Mann alleine reicht bei weitem nicht dazu aus, sich als alleinerziehend zu bezeichnen.“

Ich machte mir einen Kaffee, dieses Telefonat wird etwas länger dauern…

„Als ich Michael damals verlassen habe, dachte ich auch es wird sich nicht viel ändern, da er ja ständig auf der Arbeit war oder beim Sport. Ich stellte es mir sogar etwas einfacher vor, da ich nicht mehr seinen Dreck wegmachen oder seine Wäsche waschen musste.

Die Realität als er auszog traf mich recht unvorbereitet. Jetzt war ich wirklich alleine.

Michael und ich hatten immer so unsere Probleme und wir hatten so viele unterschiedliche Interessen, das hat unsere Liebe nicht ausgehalten. Dennoch lassen wir mal unsere Differenzen bei Seite, aber ich war trotzdem nicht ganz alleine.

Oft wenn er abends von der Arbeit kam, stahl ich mich zu ihm ins Bad und während er duschte erzählte ich ihm von unserem Tag. Heute ist niemand abends da.

Einmal hatten die Kids und ich gleichzeitig eine fiese Grippe, ich konnte trotz Mami-Power nicht aufstehen. Er nahm sich frei und kümmerte sich um uns. Heute bete ich jeden Tag für meine Gesundheit und nehme zig Vitamine etc. da ich nicht weiß was passiert, wenn ich krank bin.

Natürlich könnte sich Michael jetzt auch frei nehmen, aber 1. möchte ich ihm nicht das Gefühl geben, dass ich nicht mit der Situation zu Recht komme und 2. Würde sich trotzdem niemand um mich kümmern. Er würde eventuell die Kinder holen, aber alleine wäre ich trotzdem.

Mein Großer ist zu Zeit etwas schräg drauf. Pubertät lässt grüßen. Er wird des Öfteren schon ziemlich frech und kommt auf die dümmsten Gedanken. Ich muss damit alleine fertig werden. Früher hat mich Michael abends in den Arm genommen, wenn ich traurig war, weil mein ältester Sohn mich bis zur Verzweiflung getrieben hat. Heute muss ich es mit mir alleine ausmachen oder ich rufe eine Freundin an. Aber im Endeffekt stehe ich damit alleine da.

Besonders als die kleinen noch Minis waren, war sein Feierabend (wenn auch sehr spät) für mich die Möglichkeit in Ruhe zu duschen oder mal einfach in Ruhe zu essen.

Jetzt hat niemand Feierabend und kommt heim, ich muss immer funktionieren.

Und keiner sitzt mehr mit mir im selben Boot und rudert mit.

Mit Kindern trifft man dauernd wichtige Entscheidungen und jetzt treffe ich sie ganz alleine.

Ich bin nun ganz alleine für Erziehung etc. verantwortlich.

Ach und übrigens, mit zwei Kindern alleinerziehend zu sein bringt auch enorme finanzielle Verluste mit sich daher. Da Kitas hier im Umfeld erst um 8:00 Uhr aufmachen und um 16:00 Uhr schließen, kann ich gerade mal eine Halbtagsstelle annehmen. Unterhalt und Unterstützung reichen gerade fürs Notwendige. Ein Urlaub ist nicht drin oder sonstige extra Ausgaben. Gar nicht zu erwähnen, wie viele Frauen von Ihren Ex-Partnern nicht unterstützt werden etc.

Ich liebe meine Kinder und würde alles für sie tun. Ich bereue auch als Frau die Scheidung nicht, allerdings wünschte ich mir sehr oft es wäre etwas einfacher und ich müsste nicht 7 Tage die Woche rund um die Uhr alles alleine managen.

Ungerechterweise ist es auch für uns alleinerziehende Frauen viel schwieriger einen neuen Partner zu finden als für Männer. Man ist natürlich auch nicht so zeitlich flexibel wie ein Mann, der nur alle zwei Wochen seine Kinder hat. Nicht jeder hat Familie und Freunde zum Babysitten.

Ich will nicht sagen, dass wir die besseren Mütter sind oder ihr euren Job nur zur Hälfte macht. Ich weiß ja schließlich wie es in einer Partnerschaft ist, da ist es auch nicht immer einfach und es gibt viele Themen mit denen man sich als Alleinerziehende nicht befassen muss, aber man sollte einfach den Unterschied zwischen beiden Varianten kennen.“

Ich habe gestern lange wach gelegen und darüber nachgedacht. Ich werde meine Leistung als Mutter nicht herunterspielen, weil ich einen Ehemann habe und nicht alleinerziehend bin, das ist vollkommener Quatsch. Egal wie, wir alle haben mal gute und mal etwas härtere Tage. Aber in Zukunft werde ich Emma öfter ein offenes Ohr schenken, anstatt selbst rum zu jammern.

Was denkt Ihr darüber?

Kennt Ihr diese Situation?

Möchtet Ihr uns von Eurer Situation berichten?

Ich freue mich über Eure Meinung, ob als Post oder als Email an glamfamwoman@gmail.com.

Mein Fazit ist:

Egal wie, wo und wer, wir sind alle eine GLAMFAMWOMAN und haben unsere eigene Geschichte .

Schönen Sonntag meine Lieben

Eure Nic ❤

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s