Ich war eine böse Mami…

Ja, Ihr habt richtig gelesen! Ich war „böse“! Sogar sehr böse…

Von dem Tag an als ich erfuhr, dass ich schwanger bin, habe ich angefangen wundervolle Pläne zu schmieden. Ich malte mir aus, wie wundervoll mein Tagesablauf sein wird mit einem Baby. Wie ich niedliche Schühchen kaufe und nur die besten und gesündesten Gerichte zubereiten werde. Ich wollte nie meine Geduld verlieren und alles besser machen als alle anderen.

Ja, ich hatte wundervolle Pläne!

Als mein Sohn dann endlich da war, lebte ich dann auch total meine Wunschvorstellungen, die ich in der Schwangerschaft hatte. Ich kaufte die süßesten Schühchen, Strampler und Deckchen. Ich liebte und liebe dieses Kind sogar mehr, als ich jemals zu träumen gewagt  hätte. Und ganz wichtig, kein  Schreien und Meckern konnte mich aus der Ruhe bringen. Meine Geduld war unendlich und ich fühlte mich wie die Königin der Mütter….

Ja, ich erinnere mich sehr gut an diese Zeit. Da musste ich auch nur mein Kind sicher betten und wusste, es wird nichts passieren.

Jetzt ist mein Sohn 1,5 Jahre alt. Er entdeckt die Welt, hat bereits schon eine eigene Meinung und eigenen Geschmack entwickelt und hat mir beigebracht, dass ein auch noch so harmlos aussehender Gegenstand zur größten Gefahr werden kann.

Rückblickend auf die letzten 1,5 Jahre  muss ich hin und wieder schmunzeln. Ich schmunzel über meine Vorsätze , die Verurteilungen die ich innerlich hatte , wenn ich andere Eltern sah, die entweder keine guten Vorsätze hatten oder gerade ganz kräftig dagegen verstoßen.

Ich war definitiv kein junges und naives Mädchen als ich schwanger war, doch schon nach 1,5 Jahren meines Mutterdaseins muss ich sagen, ich war sowas von naiv und leichtgläubig.

Mit vier Monaten hat mein Sohn kein Interesse mehr an seiner Milchflasche  als Hauptgang gehabt. Er wollte viel lieber etwas richtiges essen. Also habe ich angefangen ihm seinen Brei selbst zu kochen. So konnte ich Zutaten und Zuckergehalt selbst bestimmen. Mein Sohn war im Geschmackshimmel. Dieser kleine Knirps hat seine Breie geliebt. Mit der Zeit kamen immer mehr Zutaten dazu und ich fing an, die Breie etwas auf mein späteres Kochen abzustimmen ( Beispiel Nudeln Bolognese: Nudeln gekocht, Hackfleisch mit Tomaten und Möhrchen gekocht und dann alles zusammen pürriert).

Dann irgendwann wollte er gerne etwas selbst kauen (ja es funktioniert auch ohne Zähne, Babies kauen nämlich sehr erfolgreich auf den Felgen, wenn sie es nur wollen) und so langsam verabschiedete sich der Appetit auf pürierte und ungewürzte Breie. Viel mehr fiel der Blick auf meinen Teller und sein Interesse für all die unterschiedlichen Gerichte war geweckt.

Da ich mich selbst sehr gesund ernähre, war es für mich auch nicht umständlich. Er  konnte fast alles essen was ich auch aß.

Bis dahin ist ja noch alles gut. Immernoch kaum künstlichen Zucker und Junkfood. Auch unsere Freizeitbeschäftigung war hervorragend. Baby in Kinderwagen und Buggy geschnallt und raus an die frische Luft zum laufen. Zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Mami konnte an Ihrer postnatalen Figur arbeiten und Sohn bekam frische Luft und unwahrscheinlich viel Neues zu sehen.

Doch diese Zeit geht rum. Die Kleinen lernen Laufen und wollen die Welt auf Ihre Weise erkunden. Besonders zu Hause. Nichts ist mehr sicher vor diesen kleinen, neugierigen Terrorkrümeln. Es lässt sich nicht vermeiden, dass die ersten blauen Flecken auftauchen ( ob am Beinchen des Kindes oder der Mama, die in einer höchstgewagten Rettungsaktion noch rechtzeitig das Kind vorm Absturz von der Couch rettet) oder plötzlich Sachen in den Mund wandern, die alles andere als gesund sind.

Man geht nicht mehr auf lange Spaziergänge, weil der Nachwuchs definitiv keine Lust hat nur stupide umhergeschoben  zu werden. Man geht auf  Spielplätze, ob indoor oder Outdoor. Man mischt sich unters „Eltern-Volk“ und versucht den kleinen Racker müde zu bekommen. Richtig gelesen, man will seinem Kind die viel zu viele Energie rauben, damit man einfach zu Hause sich mal fünf Minuten hinsetzen kann, während der Kleine Nickerchen macht. Wir sind nämlich keine Roboter. Nein, nein, nein! Wir sind Menschen! Übermüdete Menschen und je mehr diese kleinen Entdecker lernen und können, umso weniger haben wir Zeit uns mal hinzusetzen. Hinzukommt das nicht nur bei Hunger oder voller Windel geschrien wird. Auch wieder ein dickes „Nein, Nein, Nein, Nein, Nein“ ! Jetzt kommen wir in die spannende Phase der verschiedenen Stimmungsschwankungen. Ja, auch hier wieder richtig gelesen. Babies bzw. Kleinkinder entwickeln eigene Stimmung, die am Tag mehrfach wechselt. An manchen mehr und an anderen weniger. Die Tage an denen es etwas mehr ist, bringen Momente herbei, in denen wir die noch eben sicher verstauten spitzen  Gegenständen uns am liebsten zwischen die Augen rammen  würden.

Der Tag kann sehr lange werden, wenn ein Kind schlechte Laune hat. Und man kann sich nunmal nicht 24 Stunden in einem Indoorspielplatz verstecken und das Kind geschützt in Räumen, die aus Gummiwänden bestehen, spielen lassen.

Und jetzt komme ich zum eigentlichen Thema. Das war mein Anfang eine böse Mami zu werden. Es wird jetzt natürlich den ein oder anderen Aufschrei von Eltern, die noch nicht in dieser Phase sind, geben oder noch viel besser von Kinderlosen.

Und jetzt kommts:

ICH HABE MEIN KIND FERNSEHEN LASSEN!

Es gab Momente, da habe ich mich dafür geschämt. Die waren aber sehr schnell rum, da ich mich einem Kaffee gewidmet habe und mal 5 Minuten durchgeatmet  habe.

Danach hatte ich auch wieder volle power und Lust Türmchen zu bauen und hab auch nicht die Geduld verloren, wenn ich zum zehnten Mal mit den Bauklötzchen beworfen wurde.

Erst wollte ich es geheim halten. Niemandem von meiner „bösen-Mami-Tat“ erzählen. Gerade auf Spielplätzen hört man ja immer wie über Mütter gelästert wird, die Fernsehen  erlauben und noch viel schlimmer (!) Schokolade geben.

Da ich mich jetzt sowieso schon wie ein richtiges Bad-Girl fühlte, dachte ich, ich versuche das mal mit der Schokolade. Man nennt es auch Leben am Limit 😂.

Ich gestehe! Mein Herz ging auf, als ich sah wie mein Sohn sich die Finger ableckte vor lauter Schokoladengenuß.

Doch das schlechte Gewissen kam sofort. Während ich mich auf die Couch setzte und mir eine Mandarine schälte, versuchte ich nachzudenken wieso ich das überhaupt angefangen habe. Da kam plötzlich mein Sohn um die Ecke. Er sah mich mit strahlenden Augen an und zeigte direkt auf die Mandarine. Er aß zwei ganze Mandarinen und einen Viertel Apfel. Er war so happy und gab mir danach sogar einen Kuß, ignorierte den TV und brachte mir Spielzeug, damit wir zusammen spielen.

Und genau da hatte ich meine ganz persönliche Erleuchtung. Ein wenig „böse sein “ ist ok und braucht man auch, aber es hilft einen so viel mehr wieder „lieb “ zu sein.

Was ich damit sagen möchte, mein Sohn darf sich am Tag etwas im Fernsehen anschauen, er bekommt auch mal ein Schokobon, aber genau das macht es zu etwas nicht besonderem für ihn. Er isst lieber Obst, aber manchmal möchte er auch etwas süßes probieren. Das ist auch gut so, wenn man es verbietet, flippen sie später nur noch mehr damit aus. Er darf auch seine geliebten Minions im Fernsehen sehen, das gibt mir am Tag Zeit wieder Kräfte zu sammeln und Dinge im Haushalt oder für die Arbeit zu erledigen. Doch danach liebt er es umso mehr mit Mami oder Papi zu spielen und zu kuscheln und ganz ehrlich ich liebe es danach auch viel mehr und bin richtig froh wieder mit ihm umher zu hüpfen.

Es ist wichtig das im ersten Lebensjahr dem Kind zuckerfreie und gesunde Ernährung beigebracht und verabreicht wird. Sie sind auch noch viel zu klein, um schon Zucker zu verarbeiten. Ich kann jedem auch nur raten die Breie selbst zu kochen. Es geht schnell und man kann viel besser kontrollieren, was das Kind bekommt. Durch den Trick den Brei aus Zutaten meines Essens zuzubereiten, isst mein Kind alles was ich koche. Er ist an mein Essen gewöhnt und der Geschmack ist ihm im gewürzten Zustand nicht fremd. Das war der Grundstein meiner Meinung nach für sein Eßverhalten.

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Ich schrieb ja bereits, dass ich es am Anfang lieber geheim gehalten habe. Doch jetzt schreie ich es raus : „Ich war eine böse Mama und mein Kind und ich sind glücklich darüber !“

Eure Nic ❤

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Ein Gedanke zu “Ich war eine böse Mami…

  1. Mia Bruckmann schreibt:

    Liebe Nicole, sehr süß geschrieben. Was du im Moment erlebst, erleben glaube ich alle Mütter mit ihrem ersten Kind. Du hast Pläne und Vorstellungen, wie alles werden soll und wird, und dann kommt es ganz anders. Aber genau das ist das Spannende am Mama sein. Immer wieder alles neu ausloten. Neue Grenzen stecken. Neue Strategien entwickeln. Dabei stets auf das EIGENE Bauchgefühl hören und sich selbst keine Vorwürfe machen. Auch wir Mamas müssen erst lernen! Beim 2. Kind ist schon vieles dann “ Routine. Mach weiter so! Du machst das ganz prima!

    Gefällt 1 Person

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